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Man hört und liest es immer wieder allerorts in Altona: "Altona war mal dänisch!" Manche versteigen sich gar gelegentlich zur (vielleicht auch nicht ganz ernst gemeinten) Forderung, Altona solle "zurück zu Dänemark" - viele kennen sicherlich die entsprechenden Aufkleber.

Auf die Gefahr hin, den Einen oder die Andere ein wenig zu enttäuschen, möchte im nun Folgenden mit diesem Mythos aufräumen. Altona war nämlich nie dänisch. Sicherlich hat die Dänemarks Politik und Wirtschaft über drei Jahrhunderte einen großen Einfluss auf Altona und seine holsteinischen Nachbargemeinden gehabt, dennoch war Altona immer ein deutscher Ort.

Begriffsdefinitionen

Womit wir zunächst klären müssten, was überhaupt unter den Begriffen "deutsch" und "dänisch" zu verstehen ist.

Staatsrechtlich werden als "deutsch" die Gebiete bezeichnet, die als Reichslehen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Stolzenberg 2006) und dem darauf folgenden Deutschen Bund (Scriba 2014) zugehörig waren. Parallel dazu sind "dänisch" die Gebiete, die dem Königreich Dänemark direkt angehörten.

Politisch betrachtet muss festgestellt werden, dass die dänische Krone, genauer das Haus Oldenburg (Kongehuset 2011) und dessen Regent, nicht gleichzusetzen ist mit "dänisch" oder "Dänemark". Dies ist einer der Knackpunkte, und diese Gleichsetzung ist eine grobe Vereinfachung sowohl von Zeitgenossen als auch von heutigen Historikern. Im folgenden wird die Regentschaft als "dänische Krone" bezeichnet, um den Unterschied zu "Dänemark" und "dänisch" hervorzuheben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen dem Königreich Dänemark und dem sogenannten Dänischen Gesamtstaat (Bjørn 2016). Bei Letzterem, oft einfach nur "Gesamtstaat" genannt, handelte es sich lediglich um ein machtpolitisches Konzept der dänischen Krone, mit dem Ziel, das Konglomerat aller ihr untertänigen Gebiete unter einem absolutistischen Herrscher als militärische und wirtschaftliche Weltmacht zu positionieren. Der Gesamtstaat war also nur Ausdruck der Herrschaft des Hauses Oldenburg über verschiedene Länder, wie etwa Dänemark oder Holstein. Die letztendlich gescheiterten Versuche der Monarchie, im Gesamtstaat eine Verfassung unter Einbeziehung Holsteins einzuführen, wurden sowohl international als auch von Holstein selbst nie anerkannt.

Beim kulturellen Aspekt verhält es sich so, dass mit "deutsch" eine deutschsprachige und mit "dänisch" eine dänischsprachige Bevölkerung gemeint ist, die in einem Gebiet lebt, in dem die jeweilige Sprache neben der Umgangssprache auch Verkehrs- und Amtssprache ist.

Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts traten zudem die dänische (Junge 2008) und die deutsche (Planert 2004) Nationalbewegung hinzu, in deren Fahrwasser sich sowohl die Eliten als auch die Bevölkerung zunehmend als der jeweiligen Nation zugehörig fühlten und begannen, einen homogenen und einheitlichen Staat zu fordern.

Die staatsrechtliche Perspektive

Aber der Reihe nach: Die Ländereien, auf denen Altona gegründet wurde, gehörten seit 1290 zur Grafschaft Hostein-Schauenburg, seit ehedem Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (Kunz 2014). Die Grafschaft fiel 1640 an das Herzogtum Holstein, das, ebenso wie alle anderen Gebiete südlich der Eider, deutsches Reichslehen (Kunz 2008) war. In Holstein nun regierte der dänische König seit 1460 in seiner Funktion als deutscher Reichsfürst.

Schon 1460 war König Christian I. von Dänemark zum Herzog von Schleswig und zum Grafen von Holstein gewählt worden. Trotzdem blieb die Grafschaft Holstein Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und wurde 1474 von Kaiser Friedrich III. als reichunmittelbares Lehen zum Herzogtum Holstein erhoben. So wurde der dänische König 1474 als Herzog von Holstein zum direkten Lehnsmann des deutschen Kaisers. König Frederik III. erhob den Flecken Altona 1664 also nicht als König von Dänemark, sondern in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein zur Stadt.
(Czech 2015, S. 51)

Nun zu folgern, Altona sei seit 1640 dänisch gewesen, weil der Herzog zugleich dänischer König war, wäre genauso falsch, wie beispielsweise anzunehmen, Großbritannien habe zu Hannover gehört. Dann könnte man auch behaupten, England sei ein Teil des Kurfürstentums Hannovers geworden, als der Hannoversche Kurfürst im 18. Jahrhundert die englische Krone erbte. Oder man behauptet, Kanada sei englisch oder gehöre zu England, weil die englische Queen dort Staatsoberhaupt ist. Wir halten fest: Wenn eine Person gleichzeitig sowohl König des einen, als auch Landesfürst des anderen Landes ist, bedeutet dies nicht, dass diese beiden Länder automatisch zu einem Land werden. Das Herzogtum Holstein und das Königreich Dänemark wurden lediglich in Personalunion (DWDS 2019) durch den Regenten des Hauses Glückburg regiert.

Obwohl ganz Schleswig und der größte Teil Holsteins nun zum Herrschaftsbereich des dänischen Königs gehörten, bildeten auch weiterhin die Königsau bzw. die Südküste der Koldinger Förde die südlichste Grenze des Königreichs Dänemark - nicht nur in Bezug auf die Verwaltung, sondern auch im staatsrechtlichen Sinn. Südlich dieser Grenze herrschte König Friedrich IV. nicht in seiner Funktion als dänischer Monarch, sondern als Herzog von Schleswig und Holstein. Allein die Person des Herrschers bildete das einigende Band zwischen Dänemark und den Herzogtümern. Diese staatsrechtliche Konstruktion wird daher auch als "Personalunion" bezeichnet. Im Gegensatz zu einer Realunion wurde dadurch die staatliche Selbstständigkeit der Herzogtümer nicht angetastet.
(Witt 2002, S. 222f)

Da es in den Jahren 1806 bis 1815 zur Gründung des Deutsche Bundes (Kunz 2004) kein "Deutschland" gab, inkorporierte der dänische König 1806 einseitig de jure Holstein ins Dänische Reich, so heißt es im Katalog der Ausstellung zur 350-Jahr-Feier der Stadtrechte im Altonaer Museum 2014: "Als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 1806 unterging, wurde Holstein mit dem Inkorporationspatent in das Königreich Dänemark eingegliedert", was aber nur Theorie auf dem Papier blieb und keinerlei praktische Auswirkungen auf das Land hatte, so verblieb die Verwaltung getrennt von der des dänischen Königreichs, Amtsprache blieb Deutsch und die Bevölkerung indentifizierte sich weiterhin als deutsch oder holsteinisch, in jedem Fall als nicht-dänisch, allen halbherzigen Danisierungsplänen zum Trotz. Und so heißt es weiter, dass mit "dem Eintritt König Friedrichs VI. als Herzog von Holstein [...] in den Deutschen Bund [...] 1815 die Inkorporation [endete]" (Kopitzsch 2015, S. 25), es also nie einen Zweifel gab, dass es sich bei Holstein um deutsche Lande handelte.

Es gab im 18. und 19. Jahrhundert von Seiten der dänischen Regierung immer wieder Bestrebungen, sich Holstein einzuverleiben. Zu dieser Zeit war Dänemark eine imperialistische Großmacht mit überseeischen Kolonien, Sklavenhandel und allem, was dazugehörte (Schellen 2017), weshalb Altona heutzutage auch in Dänemark gelegentlich fälschlicherweise als "dänische Stadt" (Kuttner 2000) oder gar wie im Film "Die Königin und der Leibarzt" (Arcel: "En kongelig affære". DK 2012) als eine ehemalige "dänische Kolonie in Deutschland" dargestellt wird:

Dies konnte man in dem 2012 für den Oscar nominierten deutsch-dänischen Film sehen, in dem es um die Affäre zwischen dem berühmtesten Holsteiner in Dänemark, Johann Friedrich Struensee, und der dänischen Königin Caroline Mathilde ging. Die Szene, die Struensee als Figur einführt, wird mit dem Untertitel «1768 Altona eine dänische Kolonie in Deutschland» betitelt. Das Jahr 1768 ist richtig, und Holstein lag zumindest innerhalb der dänisch-oldenburgischen Monarchie, aber Altona war weder Kolonie geschweige denn dänisch.
(Frandsen 2015, S. 39f)

Auch die Rechtsprechung unterschied sich von der Dänemarks. Während in Dänemark Jütisches Recht vorherrschte, galt in Holstein und somit in Altona von alters her Sächsisches Recht (der Sachsenspiegel), lokal auch als Holsteinisches Recht bezeichnet (Witt 2002, S. 224). Dieses wurde 1757 schließlich vom Corpus Constitutionum Regio-Holsaticarum abgelöst, bei dem es sich um ein eigenes holsteinisches Recht handelte.

Politisch

Holstein wurde von Kopenhagen aus gesondert durch die Deutsche Kanzlei (Landesarchiv Schleswig-Holstein 2019) verwaltet (heute beherbergt das Gebäude übrigens das Finanzministerium, Finansministeriet 2019), so schreibt Robert Bohn: "Die unter Christian III. eingeleitete Modernisierung der Staatsverwaltung war umfassend und spiegelte deutlich den Einfluss seiner deutschen, heißt holsteinischen Ratgeber wider. Die 'innernen' Angelegenheiten [...] wurden fortan [1523] von der Dänischen Kanzlei (Danske Kancelli) in dänischer Schriftsprache erledigt, während die 'äußeren' Angelegenheiten, wozu auch die Herzogtümer rechneten, von der Deutschen Kanzlei (Tyske Kancelli) in deutscher oder lateinischer Schriftsprache bearbeitet wurden" (Bohn 2001, S. 57). Später strebte Dänemarks absolutistische Monarchie aber zunehmend danach, alle ihr untertänigen Gebiete im Dänischen Gesamtstaat źusammenzuführen. So gab es zuletzt Versuche, Regierung und Verwaltung Holsteins und Dänemarks zusammenzulegen und damit beispielsweise Dänisch zur Amtssprache in Altona zu machen.

Die Gesamtstaatidee war letztendlich nichts anderes als imperialistische Großmannsucht dänischerseits, weshalb dieses Vorhaben bei den deutschen Staaten auf Missgunst stieß und Preußen zusammen mit Österreich im deutsch-dänischen Krieg von 1864 (Scriba 2014), von dem die Soldatengräber im Wohlers Park noch heute zeugen, die dänischen Großmachtsträume beendeten. Damals fiel Schleswig-Holstein, also auch Altona, nach kurzem österreichischen Intermezzo 1866 endgültig an Preußen, und Dänemark verabschiedete sich für immer vom territorialen Imperialismus (an einen ähnlichen Punkt kam Deutschland erst gut 80 Jahre später). Das Jahr 1864 gilt in Dänemark bis heute als einer der großen Wendepunkte der dänischen Geschichte und die damaligen Geschehnisse wurden über Generationen als nationales Trauma wahrgenommen.

Kulturell

Amts- und Verkehrssprache war Deutsch - zunächst Niederdeutsch, wie die Stadtrechte (Schmid 1747, S. 50) von 1664 bezeugen, später zunehmend auch Hochdeutsch. Davon zeugt unter Anderem das damals in Altona äußerst reiche Verlags- und Zeitungswesen. So zählt der Katalog der Hamburger Staatsbibliothek für die Zeit von 1664 bis 1864 über dreitausend Einträge mit Verlags- bzw. Erscheinungsort Altona, lediglich zwei davon in dänischer Sprache. Böning und Moepps (1997) zählen allein von 1664 bis 1815 in Altona 218 verschiedene Zeitungen, Intelligenzblätter, Zeitschriften, Almanache u.ä. in deutscher Sprache. Umgangssprache war also "Plattdeutsch", während die Stadt, ebenso wie ganz Holstein, "aus kultureller Sicht nie zum 'dänischen Ende Deutschlands' [wurde], wenn damit eine nennenswerte sprachlich-kulturelle Prägung gemeint ist" (Frandsen 2015, S. 47).

Die Bevölkerung war seit dem Aufkommen der deutschen Nationalbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend explizit deutsch gesinnt, falls man sich nicht einfach wie zuvor weiterhin als Altonaer oder Holsteiner sah. Und auch die dänische Nationalbewegung grenzte sich zu dieser Zeit zunehmend ab. Man definierte sich "als ein nordisches Volk - eine Definition, die alle Holsteiner und andere deutsche Landsmannschaften ausschloss. Holstein stand im dänischen Bewusstsein lange Zeit nahezu als Synonym für Deutschland" (Frandsen 2015, S. 41). Politisches Ziel der Eiderdänen (Lorenzen-Schmidt 2000) war nun ein dänischer Nationalstaat unter Ausschluss Holsteins, dabei "stimmten dänische Nationalisten und holsteinische Regionalisten darin überein, dass Holstein so deutsch war, dass es innerhalb des Gesamtstaats nichts verloren habe" (Frandsen 2015, S. 42).

Sicher wurde Altona von Dänemarks Seite stark beeinflusst, was hier auch nicht kleingeredet werden soll. Es gab eine eine dänische Garnison, Es galten dänische Zollgesetze, die Stadt wurde durch die Stadtprivilegien reich, sie wurde nach Kopenhagen der wichtigste Hafen für Dänemark, man gründete die Oberschule Christianeum, es wurde viel gebaut, die Eisenbahn kam. Man kann durchaus von einem besonderen Verhältnis zwischen Altona und Dänemark sprechen. Man muss der Vollständigkeit halber aber hinzufügen, das der politische Einfluss Dänemarks sich nie auf die kulturelle Ebene erstreckte, während der deutsche, nicht zuletzt der holsteinische Einfluss auf Dänemark immer sehr groß war (Frandsen 2015, S. 48).

Altona war im Vergleich zu den anderen deutschen Staaten äußerst liberal, es herrschte Glaubensfreiheit und eine nur lockerere Zensur, viele Verfolgte wie etwa Mennoniten aus den Niederlanden oder portugiesische Juden fanden hier Zuflucht. Diese Toleranz war aber kein dänischer Einfluss, denn zu der Zeit war Dänemark ein militaristischer und absolutistischer, illiberaler Staat, der die Handels- und Hafenstadt Altona nicht zuletzt für sein Kolonialimperium brauchte. Altona war durchaus ein sehr liberaler Ort, aber nicht nur im Vergleich mit den anderen deutschen Staaten, sondern auch im Unterschied zu den Verhältnissen in Dänemark.

Heute

Die lockere Atmosphäre im heutigen Altona kann jedenfalls nicht als ein kultureller Einfluss des damaligen Dänemarks gedeutet werden. Altona ist viel mehr durch die Industrialisierung, die Arbeiterbewegung ("Rotes Altona"), durch Migration und seine postindustrielle Entwicklung geprägt als durch einige erhaltene Gebäude wie beispielsweise die südliche Fassade am Rathaus, die vom alten Bahnhof noch übrig ist.

Der Mythos des dänischen Altona baut auf einer Romantisierung Dänemarks als eine tolerante und offene Nation, in der vermeintlich alles irgendwie entspannter, sozialer und lockerer zugeht als in Deutschland, wobei Altona zu Unrecht mithilfe falsch interpretierter Geschichte positiv verklärt wird.

Im Hinblick auf die tatsächlichen Verhältnisse in Dänemark, wie auf das Gesundheitssystem, die Ausländerpolitik, den Rassismus, den Abbau des Sozialstaats usw. usf. kann ich nur sagen, dass wir in Deutschland einem Dänemarkbild nachhängen, das der Wirklichkeit nicht entspricht, dänische Hygge (Duden 2019) und Glücklichkeitsstudien (UNSDSN 2019) hin oder her. Aber das ist ein anderes Thema.

Woher der Mythos?

Wie oben bereits erwähnt, wurde Altona bereits vor 200 Jahren von den Zeitgenossen gelegentlich als "dänisch" (meist ausdrücklich als "königlich dänisch") bezeichnet. Dies war der damals üblichen Fokussierung auf imperiale Machtverhältnisse geschuldet, in dem rechtliche und kulturelle Kriterien vor machtpolitischen zurücktreten mussten. Es gehörte unter Diplomaten und Politikern zum Schick, Gebiete mit ihrer Bevölkerung einfach dem Land des jeweiligen Machthabers zuzurechnen. Auf diese Weise ließen sie sich am Verhandlungstisch oder über der Karte leichter hin- und herschachern, wie es angeblich heutzutage auch noch gelegentlich paktiziert wird. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass es bereits damals sachlich falsch und eine grobe Vereinfachung war, Holstein als "dänisch" zu bezeichnen.

Die Macht in Altona hatte der holsteinische Herzog, der in Personalunion auch Dänemark regierte, was die Stadt aber nicht dänischer machte. Es passte aber nur zu gut in das absolutistische Selbstverständnis der dänischen Machthaber, Altona als "dänisch" bezeichnet zu wissen. Zudem war es zunehmend das Bestreben der dänischen Krone, alle ihre untertänigen Gebiete in einem Staat zusammenzufassen, was insbesondere in Holstein auf wenig Gegenliebe stieß und schließlich 1848 zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung (Jessen-Klingenberg 2000) und 1864 zum Deutsch-Dänischen Krieg führte.

Heutige Historiker neigen oft dazu, die damalige irreführende Sprachregelung zu übernehmen, sei es nun aus praktischen Gründen, mitunter um eine Periodisierung zu erleichtern ("Dänenzeit"), meist aber leider ohne vorher zu hinterfragen, inwieweit Altona nun tatsächlich "dänisch" war; sei es aufgrund kritiklosen Umgangs mit zeitgenössischen Quellen oder ungeprüfter Sekundärliteratur anderer Historiker. So werden Aussagen regelmäßig unhinterfragt von anderen Autoren abgeschrieben, sich überall wiederholende Behauptungen wie die, Altona sei bis 1864 die südlichste und zugleich zweitgrößte Stadt Dänemarks gewesen (Henningsen 2009, S. 31 sowie in ähnlicher Formulierung in Czech 2015, S. 6: Grußwort des Bürgermeisters), zeugen davon. Mit solchen Äußerungen kann man sicherlich einem Dänen schmeicheln, sie hören sich ja auch spannend an. Allerdings wird hier das Dänemark fahrlässig mit dem sogenannten "dänischen Gesamtstaat" verwechselt. Und wiederum heißt es im gleichen Buch, dass der "dänische König [...] zugleich Herzog von Holstein und Lauenburg [war], und da diese Lande als deutsche galten, erhielt er Sitz im Deutschen Bund, der 1815 auf dem Wiener Kongress gegründet" wurde (Henningsen 2009, 128).

Diese Überlegungen zur Herkunft des Mythos müssten gesondert anhand einer großen Menge Quellen und Literatur untersucht werden. Einer der Hauptgründe für das ständige Zelebrieren des Mythos ist aber sicherlich, dass der Gedanke, Altona sei mal dänisch gewesen, vielen Hamburgern und Dänen heutzutage einfach gut gefällt.

Über diesen Artikel

Den ursprünglichen Text hatte ich zunächst bei Facebook gepostet, woraufhin ich einige konstruktive Kritik bekommen und entsprechende Nachbearbeitungen angestellt habe, sowohl bezüglich der Literatur- und Quellverweise, als auch insbesondere im Hinblick auf die Definition der Begriffe "dänisch" und "deutsch" sowie zum Thema der Verwaltung Altonas und zu Überlegungen über die Herkunft des "dänischen Mythos". An dieser Stelle vielen Dank an alle bei den konstruktiven Diskussionen Beteiligten.

Andererseits konnte ich gut sehen, was für ein heißes Eisen die Diskussionskultur auf Facebook ist. Sehr schnell nachdem ich den Artikel teilte, wurde er von einigen als "Fake News", "Blödsinn, den die Leute hier einfach glauben" oder "irre Sammlungen" (gemeint sind wohl die Links im Text) abgetan. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass einige meine Argumentation und die im Text angeführten Belege entweder nicht verstanden haben oder einfach nicht an sich heranlassen wollten. Manche wollten anscheinend gleich dagegenhalten, nachdem sie nur die Überschrift gesehen hatten, ohne meinen Text überhaupt zu lesen.

Wie dem auch sei, den Artikel habe ich geschrieben, da ich vor 20 Jahren selbst noch glaubte, Altona sei voll dänisch gewesen, und ich mir, da ich selber Däne bin, darauf geradezu ein Ei backte. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer wurde mir jedoch, dass das alles gar nicht so stimmt, wie ich es gerne gehabt hätte. Heute nervt es mich einfach nur noch, wenn Leute mir ständig erzählen, wie toll Dänemark doch sei und wie dänisch Altona mal war, weil beides nicht einmal die halbe Wahrheit ist. Und dann passiert es mir schließlich oft, dass man meine Einwände überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen will, sei es nun hinsichtlich der Altonaer Geschichte oder des heutigen Dänemarks, welches die allermeisten entweder gar nicht oder nur aus dem Urlaub kennen.

Kommentare, auch kritische, sind stets willkommen und können entweder direkt per Nachricht an mich gesendet oder neuerdings in der Kommentarfunktion unten am Ende dieser Seite gepostet werden.

Literatur

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  • Bohn, Robert: "Dänische Geschichte". Beck, München 2001.
  • Böning, Holger; Moepps, Emmy: "Altona, Bergedorf, Harburg, Schiffbek, Wandsbek - kommentierte Bibliographie der Zeitungen, Zeitschriften, Intelligenzblätter, Kalender und Almanache sowie biographische Hinweise zu Herausgebern, Verlegern und Druckern periodischer Schriften". Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1997.
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